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Maria S. Merian in tropical water off the west african coast - Blog
Zooplankton
16.08.11, 12:18 (comments: 0)
Autoren: Werner Ekau und Andreas Kunzmann
Die küstennahen Stationen standen im Fokus der Untersuchungen zum Ichthyoplankton, den Eiern und Larven der Fische. Durch die jahreszeitliche Lageveränderung der Angola-Benguela Front verschieben sich auch die Verbreitungsgebiete vieler Arten im freien Wasser. Arten aus dem nördlichen Benguelastrom, die hauptsächlich vor Namibia vorkommen, folgen der im Südwinter nach Norden wandernden Angola-Benguela-Front, im Südsommer dringen tropische Arten mit dem warmen Angolastrom weiter nach Süden.
Die auf dieser Reise durchgeführten Arbeiten sollen zum Verständnis dieser Verschiebungen in der Verbreitung einiger Schlüsselarten dienen. Vorarbeiten wurden bereits während früherer Expeditionen (2002 - 2011) vor Namibia und Südangola durchgeführt. Diese Fahrt dient der Ausweitung des Untersuchungsgebietes nach Norden bis Luanda. Das Stationsnetz lehnt sich an das der angolanischen Partner an, die eine Reihe von küstennormalen Transekten zur Beobachtung von Hydrographie und Plankton angelegt haben. Das Standardgerät für diese Arbeiten ist ein geschlepptes Multinetz mit 5 Netzen, die zwischen 0 und maximal 200m Tiefe 5 verschiedene Tiefenstufen beproben können.
Auf den südlichen der bisher untersuchten Stationen haben wir nur sehr wenige Fischlarven gefangen. Erst auf Höhe Lobito wurden die Fänge reichhaltiger. Hier wurden auf der küstennahen Station sehr viele Fischeier gefangen (sehr wahrscheinlich Sardinella), ein Hinweis auf die aktuelle Laichzeit dieser Art. Auf den nördlichen Transekten war die Ausbeute dann sehr gut mit verschiedenen tropischen Arten (u.a. Holzmakrelen, Scorpionsfische, Plattfische, Gobies, Aale).
Die genaue Auszählung der Proben erfolgt dann im Labor. Ein weiterer Aspekt der Arbeiten ist der Vergleich der physiologischen Leistung von Arten bzw. Schwesterarten aus dem nördlichen Benguelasystem und dem Angolastrom. Speziell die im Rahmen des GENUS-Projekts durchgeführten Expeditionen (2008-2011) bilden die Grundlage für die physiologischen und trophischen (Nahrungsbeziehungen) Untersuchungen. Sauerstoffverbrauch und Wachstum werden an einzelnen Schlüsselarten gemessen. Dazu werden Organismen mit einem Tucker Trawl schonend gefangen und in temperierten Aquarien über längere Zeit gehältert. Ein eigens aus Bremen mitgenommener Laborcontainer bietet die notwendigen konstanten Bedingungen für die Experimente zu Sauerstoffverbrauch und –toleranz.
Zunächst interessiert uns der Routinestoffwechsel, der über den Sauerstoffverbrauch bei normaler Aktivität gemessen wird. Durch die gleichzeitige Aufzeichnung der Fischbewegungen mit einer Videokamera (im Dunkeln mit Hilfe von IR), sind wir in der Lage, auch den Ruhestoffwechsel zu bestimmen. Dies gibt wertvolle Hinweise auf den Grundumsatz, also den Mindest-Energieverbrauch der Tiere. Außerdem sind wir daran interessiert zu wissen, wie sich die Tiere bei Stress verhalten. Der sich anpassende Stoffwechsel bei geringen Sauerstoffgehalten, wie sie in bestimmten Wasserschichten vorkommen, wird ebenfalls festgehalten. Wir benutzen dazu sogenannte Kreislauf-Respirometer, die vom PC-gesteuerte lange Messzyklen mit regelmäßigem Wasseraustausch ermöglichen. Oder wir benutzen sogenannte Batch-Kammern für die besonders kleinen Larven, bei denen manuell Wasser getauscht werden muss.
Für spätere Wachstumsuntersuchungen werden die Fischlarven in den Otolithen (Gehörsteine für den Gleichgewichtssinn) chemisch markiert, um die Alterszählungen später zu validieren (eine Art Kalibrierung).
Ein wesentlicher Aspekt der Reise ist auch die Kooperation mit angolanischen Kollegen. Sie beteiligen sich nicht nur während der Reise an der Probennahme, sondern werden nach der Reise auch bei der Auswertung der Proben in Bremen mitmachen.
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