South Baltic WebLab
Maria S. Merian in tropical water off the west african coast - Blog
Vom Leben am Meeresboden.
15.08.11, 08:20 (comments: 1)
Autor: Alexander Darr
Lena, Holger und Anja haben in ihren Beiträgen beschrieben, wie sich die planktischen Gemeinschaften in den verschiedenen Wasserkörpern voneinander unterscheiden und sich an die unterschiedlichen Lebensbedingungen anpassen. Auch die Gemeinschaften, die auf und im Boden leben, müssen Strategien entwickeln, um mit den abiotischen Rahmenbedingungen zu Recht zu kommen. Da sie an der Schnittstelle zwischen Wasserkörper und Sediment leben, werden ihre Lebensbedingungen auch von beiden Kompartimenten gleichermaßen geprägt. Der Wasserkörper versorgt die Tiere unter anderem mit Sauerstoff und frischer Nahrung, das Substrat dient als Schutz, Wohnraum und ebenfalls als Nahrungsquelle. Viele bodenlebende Arten verbreiten sich über meroplanktische Larven, d.h. die Jugendstadien verbringen einen Teil ihres Lebens in der Wassersäule. Strömung und Durchmischungsprozesse haben also entscheidenden Einfluss auf die geographische Verbreitung der bodenlebenden Arten.
Angereist ist das „Benthos-Team“, bestehend aus Alexander vom IOW und Silvana vom Fischereiinstitut Luanda, mit einer ganzen Reihe von verschiedenen Fragestellungen. Basal, aber essentiell ist dabei die Fortführung der Inventarisierung der auf und im Boden lebenden Wirbellosen vor der Küste Angolas. Dabei konzentrieren wir uns auf dieser Reise auf das so genannte Makrozoobenthos. Dahinter verbergen sich all die Wirbellosen, die auf einem Sieb mit der Maschenweite von 1 mm zurück bleiben oder einfacher gesagt, die man mit bloßem Auge sehen kann. Dazu zählen vor allem Krebstiere, Schnecken, Muscheln, Würmer und Stachelhäuter (Seesterne, Seeigel,…).
Auf vergangenen Reisen (2004, 2008) wurden auf dem angolanischen und namibianischen Schelf zahlreiche Arten angetroffen, die bis dato noch nicht wissenschaftlich beschrieben wurden. Auch auf dieser Reise könnten wieder neue Arten „entdeckt“ werden. Von ausgewählten Gruppen, beispielsweise den Schlangensternen, wurden einzelne Exemplare separat von den eigentlichen Proben in Alkohol fixiert und aufbewahrt, um für die späteren taxonomischen Arbeiten nicht nur morphologische, sondern auch genetische Merkmale zur Artunterscheidung identifizieren zu können. Im weiteren Verlauf der Fahrt wollen wir von einer speziellen Muschelart gezielt Individuen sammeln. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Art besonders gut mit Sauerstoffmangel umgehen kann. Erste molekularbiologische Analysen deuten darauf hin, dass ihr eine spezielle Bakterien-Gemeinschaft in ihren Kiemen dabei hilft. Weitere Fragestellungen beschäftigen sich mit den taxonomischen und funktionellen Veränderungen der Wirbellosen-Gemeinschaft sowohl hinsichtlich der zoogeographischen Herkunft (Vermischung tropischer und südatlantischer Arten) als auch in Abhängigkeit von wesentlichen abiotischen Parametern wie Substratzusammensetzung und Sauerstoffgehalt.
Insgesamt konnten bislang neun Stationen zwischen Namibe und Luanda untersucht werden. Zum Einsatz kam ein kleiner Backengreifer mit einer Beprobungsfläche von 0,1 m², der vor allem zur quantitativen Erfassung der im Sediment lebenden Tiere dient und eine Dredge, mit der die meist größeren, auf dem Boden lebenden Arten qualitativ aufgenommen werden. Zusätzlich wurden an jeder Station die benötigten abiotischen Begleitparameter erfasst. Wesentliche Wasserwerte lieferte die CTD, zur Charakterisierung des Sediments wurden separate Proben genommen.
Die bislang untersuchten Stationen spiegeln das gesamte Spektrum der möglichen Weichboden-Substrate von groben Sanden und Kiesen bis hin zu weichen organischen Schlicken und festen, mineralisch-tonhaltigen Sedimenten wider. Arten- und Formenvielfalt der Wirbellosen-Gemeinschaft war an vielen Stellen beeindruckend. Lediglich an den küstennahen Stationen vor den Metropolen Luanda und Lobito war der anthropogene Einfluss offensichtlich. Deutlich weniger Arten besiedeln hier in geringer Dichte den Meeresboden. Grundsätzlich unterschieden sich die Gemeinschaften zwischen allen Stationen auf den ersten Blick erheblich. Welche der Umweltparameter diese Unterschiede zwischen den Gemeinschaften bewirken, ob es der Einfluss unterschiedlicher Wassermassen, der verschiedenen Substrate oder ein Zusammenspiel mehrerer Parameter ist, werden wir erst später erfahren, wenn die Auswertung der Proben im heimischen Labor erfolgt ist.
Wir hoffen, dass wir einige unserer Fragen mit den Untersuchungen auf dieser und auf der sich anschließenden Fahrt beantworten können, wissen aber auch, dass die Resultate mindestens genauso viele neue Fragen aufwerfen werden. Wir müssen und wollen also wieder kommen.
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Comment by Jürgen Franke | 02.12.11
Welche Erkenntniise liegen vor bezüglich des Einflusses der allgemeinen Erderwärmung auf die Entwicklung der Wirbellosen im Bodennahen Raum?
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